Gartenreichbrief -
Neues von der Kulturstiftung

Die flache Landschaft Mitteldeutschlands ist geprägt von Urstromtälern, die in den Eiszeiten entstanden. Hier suchten die Flüsse Elbe und Mulde ihren häufig wechselnden Lauf. Das Gartenreich liegt in einer Landschaft, die ganz wesentlich von Wasserläufen und Altwassern bestimmt wird. Es gilt also mit den positiven wie auch negativen Herausforderungen, die Hoch-, aber auch Niedrigwasser mit sich bringen, umzugehen.

Niedrigwasser in den Sommermonaten

Die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallenen Grundwasserstände haben sich von der extremen Trockenheit, die 2018 europaweit zu spüren war, noch nicht wieder erholt. Auch das Gewässersystem im Umland des Wörlitzer Parks, einschließlich der Elbe mit ihrem drastisch gesunkenen Wasserstand, wirkt sich negativ auf die Wassersituation im Park aus. 

Dank der finanziellen Unterstützung des Landes war es der Stiftung möglich, 2018 eine Entschlammung der Kanäle und des Sees durchzuführen, was sich bereits jetzt als sehr erfolgreich erwiesen hat. In Kombination mit den zur Verfügung stehenden Stau- und Regulierungsmöglichkeiten konnte trotz der insgesamt wieder hohen Trockenheit der Wasserstand in den Parkgewässern bis Ende Mai 2019 weitgehend konstant gehalten werden. Die nunmehr tieferen Kanäle verschafften bis Mitte Juli einen guten Spielraum, der das Befahren mit den Gondeln möglich machte.

Aufgrund der derzeitigen Wetterlage und der geringen Niederschlagsmenge ist es nun dennoch zu kontinuierlich fallenden Wasserständen in den Kanälen und im See gekommen, so dass die Stiftung die Gondelfahrten auf die Sommerroute umgestellt hat. Die Roseninselfähren, die Neumarks Garten mit Schochs Garten verbinden, verkehren derzeit leider nicht. Den Landschaftsgarten des Fürsten Franz, in dem das Wasser ein wichtiges Gestaltungselement ist, können Besucherinnen und Besucher aber trotz gesunkener Wasserstände natürlich weiterhin auch von der Gondel aus erleben. Während einer Gondelfahrt ergeben sich ganz neue Perspektiven auf den Landschaftspark und seine Gartenarchitekturen – entspannt und unterhaltsam zugleich. Unsere Gondoliere geben dabei informative und kurzweilige Erläuterungen und machen auf die vielen vom Wasser aus erkennbaren Sichtachsen aufmerksam.

Gefahr von Hochwasser

Fürst Franz wählte den Rand eines Auwaldes und ein Altwasser der Elbe aus, als er 1765 in Wörlitz mit der Anlage des Landschaftsgartens begann. Die Arbeiten wurden durch zwei verheerende Hochwasser 1770 und 1771 unterbrochen. In deren Folge ließ der Fürst die Deiche verstärken und erhöhen. Sie sind in allen seinen Gartengestaltungen einbezogen: Wörlitz, Sieglitzer Berg, Luisium, Georgium und Großkühnau. In Wörlitz und im Luisium ergeben sich von den Wällen schöne Blicke in die Gärten und in die umgebende, flache Landschaft: Hier verbindet sich wie so oft im Gartenreich, das Nützliche mit dem Angenehmen. 

Nach den extremen Hochwassern 2002 und 2013 wurden nicht nur die entstandenen Schäden beseitigt, sondern auch in Sachen des Hochwasserschutzes hat sich Vieles getan. Die Baumaßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzsystems im Luisium schreiten derzeit sichtbar voran. Dazu zählt die grundhafte Instandsetzung des 970 Meter langen Ringdeichs unter der Maßgabe, den Altbaumbestand zu schützen und die umfangreiche naturschutzrechtliche Auflagen zu erfüllen. So wurden um die zum Teil 400 Jahre alten Eichen sogenannte Sicherungsverwallungen errichtet und ein neues Überwinterungsquartier für Amphibien im Flügelwall auf 270 m Länge geschaffen. Ende Juli fand der erfolgreiche Probeaufbau einer mobilen Hochwasserschutzwand an zwei Deichscharten statt. Auch der Wegebbau im Luisium macht Fortschritte, so dass in der zweiten Augusthälfte die Südtorbrücke wieder freigegeben werden kann.