Gartenreichbrief -
Neues von der Kulturstiftung

Tipp

Besuchen Sie das frisch sanierte Kavalierhaus in Oranienbaum am Tag des offenen Denkmals am 12. September. Von 10-16 Uhr können Sie die Innenräume für 1 Euro besichtigen, eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
Bodo Hirsch, unser Referatsleiter Bauforschung und Baudenkmalpflege, wird für Fragen vor Ort zur Verfügung stehen.

Mit der Sanierung des südlichen Kavalierhauses und deren Abschluss ist das Ensemble in Oranienbaum seinem farblichen Wandel zur bauzeitlichen Fassung wieder einen Schritt nähergekommen.

Fachwerk lügt beim Alter nicht

Die bauhistorische Untersuchung des Bauwerks förderte wesentliche Erkenntnisse zu Tage: Die Dendrochronologie (Altersbestimmung des Holzes durch Jahresringe) ermöglichte eine präzise zeitliche Einordnung des zweistöckigen Fachwerkbaus, der beinahe quadratisch auf 14,12m x 14,22m in Eichenholz errichtet wurde, in die Bauzeit des Schlossensembles um 1688/89. Dies trifft sowohl für die Fassade als auch die inneren Raumstrukturen zu. Die profilierte hölzerne Traufe ist ebenfalls aus dieser Zeit überkommen. Die Schwarzküche im Erdgeschoss ergänzt die bauzeitlich vorgefundenen Strukturen.

Schief mit Sinn

Auch außergewöhnliche Befunde ergänzen die Bauforschung. Dem Hauptschornstein, der von der zuvor genannten Schwarzküche ausgeht, wurden im Laufe der Zeit weitere Schornsteine zugeführt, um die Kaminöfen auf den Stockwerken bedienen zu können. Auf den ersten Blick wirkt diese Konstruktion schief und instabil, doch so wurde vermieden, mehrere Schornsteine über das Dach führen zu müssen. Deswegen dringt nur ein Schornsteinkopf sichtbar durch die Firstspitze nach außen. Die Symmetrie der Schlossanlage blieb so für die Betrachter*innen erhalten.

Was war zu tun?

Das Ziel des Umbaus war es, das südliche Kavalierhaus für eine ganzjährig gastronomische Nutzung zur Verfügung stellen zu können. Denn nur sobald ein Objekt aktiv bespielt wird, kann auch dessen Instandhaltung beständig garantiert werden. Im gesamten Gebäude wurden Heiz-, Strom- und Wasserleitungen verlegt, Sanitäranlagen sowie eine Küche eingerichtet. Der Fußboden im Erdgeschoss wurde mit handgefertigten Tonfliesen ausgelegt, die dank einer Imprägnierung nicht verschmutzt werden können. Sämtliche Holzbauteile (dazu zählen Türen, Fenster, Dielung und die Treppenanlage) wurden fein säuberlich aufgearbeitet und partiell ergänzt. Die Fachwerkreparatur der beschädigten Bereiche erfolgte in traditionell zimmermännischer Manier mit Vollhölzern. Die Flächen zwischen den Holzbalken der Fachwerkwände - die Gefache - wurden mit Stroh und Lehm umwickelten Hölzern - sogenannten Staken - entsprechend der Befundlage geschlossenen und mit Lehmmörtel verstrichen. Einbauwände aus vormaliger, neuzeitlicher Nutzung wurden entfernt, um die ursprüngliche Raumstruktur ablesbarer gestalten zu können.

Bodo Hirsch, Abteilung Baudenkmalpflege