Gartenreichbrief -
Neues von der Kulturstiftung

Im Gartenreich Dessau-Wörlitz stehen in den kommenden Jahren mehrere bedeutende Bauprojekte an. In Wörlitz, Oranienbaum und Mosigkau werden herausragende Bauwerke behutsam saniert, weitergedacht und neu belebt. Am nördlichen Wirtschaftsflügel des Schlosses Oranienbaum haben bereits Arbeiten begonnen.

Die beiden Wirtschaftsflügel des Schlosses Oranienbaum wurden bis 1705 als Erweiterung der Anlage errichtet. Mit dem Start des achten Bauabschnitts begann im Jahr 2025 am nördlichen Wirtschaftsflügel eine neue Phase der umfassenden Erneuerung. Angesichts der jahrzehntelang aufgeschobenen Sanierung steht eine dringende konstruktive Sicherung und restauratorische Erneuerung an, da die Fachwerkgebäude deutliche Schäden bis hin zur Gefährdung der Standsicherheit aufweisen. Im Mittelpunkt der aktuellen Bauarbeiten steht eine denkmalgerechte Instandsetzung, die mit einer sensiblen Umnutzung verbunden wird.

Der nördliche Wirtschaftsflügel soll künftig für Besucherinnen und Besucher geöffnet werden. Geplant ist die Herrichtung eines Fahrradraums im westlichen Erdgeschoss, wofür der Fußboden auf das Niveau des Außengeländes abgesenkt wird. Der mittlere Abschnitt des Wirtschaftsflügels wird in zwei Ferienwohnungen unterteilt, die über einen Treppenraum zum Dachgeschoss getrennt sind. Eine dieser Wohnungen wird explizit barrierearm ausgeführt. Eine angrenzende Durchfahrt wird als barrierefreier Zugang der Ferienwohnungen sowie für einen später vorgesehenen Aufzug an der Nordseite des Hauptgebäudes umgestaltet. Im östlichen Teilbereich des Wirtschaftsflügels sind Nebenräume und ein Multifunktionsraum vorgesehen.

Der Kopfbau an der Stirnseite des Nordflügels erfährt eine besonders behutsame Behandlung, da er künftig als Ausstellungsraum genutzt werden soll. Hier bleibt der Charakter des historischen Pferdestalls bewusst erhalten: Historische Einbauten wie Heuraufen, Tröge und originale Oberflächen werden konserviert und in das Ausstellungskonzept integriert. Damit verbindet das Projekt die museale Konservierung mit dem Anspruch, die historische Substanz erlebbar zu machen.

Die wesentlichen Bauarbeiten sind für den Zeitraum von 2026 bis 2028 vorgesehen und bilden einen wichtigen Baustein im langfristigen Maßnahmenkonzept zur Bauwerkserhaltung für das gesamte Schlossensemble Oranienbaum.

Die Maßnahmen sind Teil des Masterplans Bau- und Gartendenkmalpflege, die durch den Bund (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt gefördert werden.

 

Dennis Buchmann, Abteilung Baudenkmalpflege
Titelmotiv: Nördlicher Wirtschaftsflügel, © KsDW, Lars Reimann