Mit den zwischen 1770 und 1771 verfassten Tagebüchern der Fürstin Louise von Anhalt-Dessau hat jüngst Christophe Losfeld, Romanist an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und unter anderem Herausgeber der Schweizer Reisetagebücher des Fürstenpaares von Anhalt-Dessau, eine wertvolle Quelle erschlossen und zugänglich gemacht.
Die im Original auf Französisch geschriebenen Notizen und Reflexionen der jungen Fürstin hat Losfeld sorgfältig übersetzt, philologisch genau erschlossen und zurückhaltend, aber fundiert und äußerst sachkundig kommentiert. So bekommt man während der trotz des verknappten Stils der Fürstin fesselnden Lektüre exklusive und mitunter auch verstörende Einblicke in den Alltag der damals erst 20-jährigen Louise und ihr Zusammenleben mit dem Fürsten Franz. Das war bereits zu dieser Zeit von schweren Krisen, Konflikten und Auseinandersetzungen insbesondere um die Personalie Johanna Eleonore Hoffmeyer geprägt.
Losfeld hat mit dieser kleinen, aber feinen Edition eine wichtigen Beitrag zur Erforschung des Fürstenpaares geliefert, der nicht zuletzt zu einer kritischeren Auseinandersetzung und Neubewertung der Beziehung dieser beiden zentralen historischen Akteure des Gartenreichen einladen dürfte.
Eine ganz andere Sprache als die diaristischen Aufzeichnungen der jungen Fürstin spricht hingegen eine unveröffentlichte Quelle mit dem Titel „An Luise von Anhalt-Dessau“ im Landesarchiv Dessau. Undatiert und verfasst von zwei jungen Schweizerinnen namens Jeannette Lavater und Jeannette Schinz gehört das Gedicht zu einem kleineren Konvolut von Versen, Epigrammen und Gedichten auf die Fürstin, die von Verehrerinnen und Bewunderinnen in Zürich verfasst worden sind. Zwar ist hier auch von Schmerzen die Rede, die die Fürstin erdulden musste, allerdings erscheint sie dabei als souveräne, über jeden Schmeichel erhabene Herrscherin, die ihrem lieben „treuen“ (!) Gatten eng verbunden ist und sich über Blumen der Schweizer Alpenwiesen mehr freut als über Hofbälle:
An Luise von Anhalt-Dessau
In Dessau sagt man, soll es heut
Am Hofe Galla geben
Und heißen wird es weit und breit
Es soll Luise leben!Nun – Hofglanz haben wir zwar nicht
Du Beßte aller Frauen!
Nur einen Kranz den Unschuld flicht
Von Blumen unsrer Auen!Den legen wir in deinen Schoos
Mit tausend Wünschen nieder –
Für Schmeicheley bist Du zu groß.
Doch nicht für unsre Lieder.Genieße lang der stillen Ruh‘
Geprüfft durch tausend Schmerzen
Und gehst zurück nach Dessau du.
Denk unsrer Schweizerherzen.Und sage deinem lieben Franz,
dem Edlen treuen Guten –
daß auch für Ihn in unserm Kranz
viel tausend Wünsche ruhten.[LASA, Z 44, A 10, Nr. 294; Transkription Dr. Jana Kittelmann]
Dr. Jana Kittelmann, Abteilung Schlösser und Sammlungen
Titelbild: Fürstin Louise von Anhalt-Dessau, Johann Friedrich August Tischbein, 1797
