Gotisches Haus Gärtnerwohnung und Fürstensitz

Das Gartenreich
Dessau-Wörlitz

Öffnungszeiten

Frühlingserwachen bis 30. April
Di–So, Feiertage 11:00–17:00 Uhr

01. Mai bis 30. September
Di–So, Feiertage 10:00–18:00 Uhr

01. Oktober bis Sonntag nach Reformationstag
Di–So, Feiertage 11:00–17:00 Uhr

Führungen außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Voranmeldung zu gesonderten Konditionen möglich.

Eintrittspreise

Das Gotische Haus ist von Frühlingserwachen bis Sonntag nach Reformationstag im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Vom 01. Mai bis 30. September kann es auch ohne Führung besichtigt werden.

Vollpreis:
7,50 € (mit Führung)
6,50 € (ohne Führung)

Gruppen ab 15 Personen, Studierende bis 25 Jahre, Azubis, Arbeitslose, Schwerbehinderte (Begleitperson frei):
6,50 € (mit Führung)
5,00 € (ohne Führung)

Kinder bis 16 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen:
Eintritt frei

Schülerinnen und Schüler in Gruppen mit max. 3 Begleitpersonen:
1,50 €

Kontakt

Gotisches Haus
im Wörlitzer Park
D-06785 Oranienbaum-Wörlitz / OT Wörlitz

T: +49 (0)34905.20302

» gotisches-haus@gartenreich.de

Gärtnerwohnung und Fürstensitz Gotisches Haus

Das Gotische Haus stellt genau wie das Schloss Wörlitz zu seiner Entstehungszeit ein architektonisches Novum dar. Nicht nur der deutsche Klassizismus, sondern auch die Neugotik hat in Wörlitz ihren Ausgangspunkt. Das Haus birgt eine einmalige Sammlung mit herausragenden Glasgemälden vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert und besticht durch eine beeindruckende neugotische Ausstattung. Zu Lebzeiten des Fürsten Franz diente es ihm auch als Refugium.

Mit der Errichtung des Gotischen Hauses wurde 1773 – kurz vor der Vollendung des klassizistischen Schlosses – begonnen. Auch hier lieferte Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff die Entwürfe. Im Gegensatz zum Schloss ist das Gotische Haus aber über vier Jahrzehnte lang mehrfach erweitert worden. Heute gehört es zu den ältesten weitgehend original erhaltenen Architekturen der Neugotik in Europa. Für das Haus waren Einflüsse aus Venedig, genau gesagt die im 15. Jahrhundert gebaute Kirche Madonna dell’Orto, und England, wie der neugotische Landsitz Strawberry Hill des Schriftstellers und Politikers Horace Walpole, prägend.

Anfangs war das Gotische Haus als Wohnung für den Hofgärtner Schoch vorgesehen. Ab 1785 wurde es zunehmend für die Wohnzwecke des Fürsten und späteren Herzogs Franz, insbesondere aber für seine verschiedenen Sammlungen ausgebaut. Die Vergrößerungen und Umbauten, die in einem Zeitraum von 40 Jahren durchgeführt wurden, werden in der reizvollen Vielgestaltigkeit sowie den Unregelmäßigkeiten im Äußeren und Inneren des Gebäudes sichtbar.

In dieses außergewöhnliche Bauwerk konnte sich der Bauherr – im Gegensatz zum öffentlich zugänglichen Schloss – zurückziehen, um »in der Mitte seiner ruhmvollen Vorfahren mit der Vorwelt sich selbst zu leben«, wie der Hofbeamte August von Rode in seiner Beschreibung von 1818 festhält. Es diente ihm als privates Domizil, in dem er sich seiner Zweitfamilie widmete und seine ganz persönliche Sammelleidenschaft auslebte. Drei kleine Räume waren ihm und seiner morganatisch angetrauten Frau Luise Schoch (1769–1813), der Tochter des Gärtners, sowie den drei gemeinsamen Kindern vorbehalten.


Die neugotische Ausstattung und eine einmalige Kunstsammlung, zu der die äußerst wertvollen, hauptsächlich aus der Schweiz stammenden Glasgemälde vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert zählen, sollten sich die Besucher nicht entgehen lassen. Bedeutung erlangte das Gotische Haus auch als früher Sammlungsort einer reichen Kollektion altdeutscher und altniederländischer Malerei. Darunter sind zahlreiche Werke von Lucas Cranach d. Ä. und d. J. Kombiniert mit historischen Bildnissen, Waffen, Münzen, außergewöhnlichen Möbeln und kunsthandwerklichen Arbeiten schuf der Fürst hier eine Atmosphäre, die an die Zeit der Reformation als wichtige Epoche deutscher und europäischer Geschichte erinnert.

Wenn auch im Laufe der Zeit eine Reihe der zahllosen Ausstattungsstücke verlorenging, so nimmt der einzigartige Zauber der Räume noch heute den Besucher gefangen.