Das Gartenreich Dessau-Wörlitz entstand im Zuge der vom Geist der Aufklärung getragenen Reformen des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau
(1740–1817). Schlösser, Landhäuser, Kirchen, Wallwachhäuser und vielfältige Gartenarchitekturen sowie die reich ausgestalteten und weitgehend erhaltenen Gärten
und Parks vor allem der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und auch des Barock sind in die Auenlandschaften an Elbe und Mulde eingeflochten.
Als »unendlich schön« beschrieb es Johann Wolfgang von Goethe bei seinem Besuch im Jahr 1778. Für Fürst Franz und seinen Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) gab das Studium
englischer Landschaftsgärten und antiker Bauten in Italien auf mehreren Bildungsreisen den Anstoß für ihr eigenes kreatives Projekt im kleinen Fürstentum Anhalt-Dessau. In Wörlitz entstand ab 1764 der erste Landschaftsgarten
auf dem europäischen Festland. So wurde der Ort selbst zum Ausgangspunkt für das ambitionierte Programm der Landesverschönerung – dem heutigen UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Über
einen Zeitraum von vierzig Jahren wurde ein Netzwerk visueller und stilistischer Beziehungen zu weiteren neu geschaffenen Landschaftsgärten in Dessau und den älteren Schlossparks aufgebaut, wodurch eine Gartenlandschaft
von einzigartiger Größe in Europa entstand. Bei der Landschaftsgestaltung ist eine Synthese verschiedenster Kunststile gelungen. Zu den neuen und charakteristischen Bestandteilen zählte die Integration eines pädagogischen
Elements, das auf der Philosophie Jean-Jacques Rousseaus (1712–1778), den Überlegungen Johann Joachim Winckelmanns (1717–1768) und der Ästhetik Johann Georg Sulzers (1720–1779) beruhte. Der freie und öffentliche Zugang zu
den Gärten des Fürsten Franz und in das Schloss Wörlitz spiegelte dessen pädagogisches Konzept einer Humanisierung der Gesellschaft wider.
Auf 142 km² ist das einmalige Landesverschönerungsprogramm des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau heute noch erlebbar. Dazu zählen Schloss und Park Wörlitz, Schloss und Schlosspark Oranienbaum, Schloss und Schlosspark Mosigkau,
Schloss und Park Luisium, der Park am Sieglitzer Berg, Schloss und Park Großkühnau sowie Schloss und Park Georgium. Die denkmalgeschützten Anlagen sind eingebettet in das Biosphärenreservat Mittelelbe und in das FFH-Schutzgebiet Dessau-Wörlitzer Elbauen, womit sie
auch Belangen des Naturschutzes unterliegen.
